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Atelier Orangenhain

Ein Interview mit Agnes Gramming-Steinland

1. Was hast du früher gemacht?Agnes Gramming-Steinland

Gelernt habe ich Pantomime und Tanz – das heißt ich habe gelernt, Geschichten ohne Worte in Bildern zu erzählen – mit dem Körper, mit Bühnenbild und Requisiten. Das war eine sehr experimentelle Zeit in Berlin Anfang der 80er Jahre. Die Grenzen zur Performance, zur Videokunst waren fließend. Ich habe auch noch Germanistik, Theaterwissenschaften und Spanisch studiert, da mich neben der praktischen Arbeit auch die Theorie interessiert hat; naja Spanisch war wohl eher eine Herzensangelegenheit.

2. Was macht dir Spaß an deiner Arbeit?

Ich mag den Prozess der Ideenfindung – der Bildgebung und dann den Moment der Fertigstellung, wenn die Fantasie Realität geworden ist. Ich mag den Moment der Suche und vor allem die Auflösung, wenn alles plötzlich ganz klar ist. In dieser Zeit bin ich nicht wirklich anwesend und ganz bei mir – soweit das mit Familie und Kindern möglich ist …

3. Welches sind deine Lieblingsmaterialien?

Stoff – Metall und Acryl sind die Materialien mit denen ich gerne und gut umgehen kann. Blattgold liebe ich auch, Pigmente – Farben in ihrer Wirkung auf unser Bewusstsein und ihre gesellschaftliche Bedeutungen haben es mir auch angetan.

4. Wo arbeitest du?

Mein Atelier ist in der Uckermark, auf dem Gelände einer alten Gärtnerei in Nachbarschaft zu Kranichen und Rotbauchunken, die im Frühjahr so leidend rufen.
Mein Sohn Moritz, auch Künstler, und ich bauen es jedes Jahr weiter aus und schaffen so ein kleines Künstlerheim zum Arbeiten.

5. Wie wichtig ist der Ort für deine Arbeit?

Es ist gut einen Ort zu haben, der nur Kunst ist, der nicht noch für etwas anderes genutzt wird. Einen Ort, der meiner – unser ist. Ein Ort zum Experimentieren, zum Denken und Schaffen – und dabei in den Himmel und in die Ferne gucken zu können und fast nichts zu hören – ein Ort ohne Internet und Telefon.

6. Gibt es eine/n KünstlerIn mit dem du gerne mal ein Projekt realisiert hättest?

Ich glaube es war 1982 oder 83, als ich einen Bastelbogen „Reichstag“ gebaut und in Seide eingepackt habe, da ich Christo so toll fand. „Running Fence“ von ihm war ein Projekt, das mich zutiefst berührt hat. Ich glaube, ich hätte gerne mit Christo zusammen gearbeitet.

7. Auf welches Highlight deiner Karriere bist du besonders stolz?Farbpyramide

Das ist schwer zu sagen – es gibt so vieles, was ich mochte – die Farbräume und die Farbpyramide im Optikpark Rathenow mag ich schon sehr gerne, auch den Porzellanturm in Oranienburg mag ich sehr, das kleine Fernsehspiel des ZDF, D’Utopia, ein Wintermärchen, das ich mit Walter Gramming zusammen konzipiert und gedreht habe, gehört auch zu meinen Lieblingen. Vor allem sind es die Sachen, die ich selber produziert habe.

8. Wo holst du dir Kraft, wenn dir mal die Ideen ausgehen?

Wenn ich so gar keine Idee zu einem Thema habe, gehe ich tanzen oder schwimme bei uns im See oder döse in meinem Lieblingssessel am Fenster und irgendwie entwickelt sie sich dann doch, auch wenn ich dachte, dass mir DAZU so gar nichts einfallen will …. aber eigentlich habe ich leider eher zu viele als zu wenige Ideen – da läuft der Kopf über.

 

Agnes Gramming-Steinland

Künstlerin

1962 geboren in Darmstadt
1980 Abitur in Berlin/West
1981 Studium Spanisch: Germanistik, Publizistik, FU Berlin
Sprachaufenthalte in Italien und Spanien
1982-1985 Ausbildung Tanz und Pantomime: Die Etage, Berlin (3 Jahre)
1984-1988 Studium Kommunikationswissenschaften: Spanisch, FU Berlin

Lebenslauf

Agnes Gramming-Steinland

Agnes Gramming-Steinland
geboren am 13.03.1962 in Darmstadt
1979-1993 in Berlin
seit 1993 in Ringenwalde,
verheiratet mit Michael Steinland,
3 Kinder, 25, 27 und 10 Jahre alt

Theater 1983-1996 (Auswahl)

OffTheater in Berlin
Gründungsmitglied Berlin Mime Company unter A. Szuczewsky, Warschau, WORON
Duo mit Ralph Lerche unter M- Projektion, mit dem Programm Farbspirale u.a.
Soli “Eine Zeit in der Hölle” frei nach A.Rimbaud, Regie: Filipo de Esteban,
“Die weiße Frau”, Legenden vom Werbellinsee, Regie: M.Verges

Kindertheater – Theater mit Kindern für Kinder, Kunstinstitut Baja, Templin
“Peter und der Wolf”
“Wo die wilden Kerle wohnen”, Musik: H.J. Mennicken, Kostümbild
Happy Island Europa Tournee mit der KMA, Berlin

Performance
“Malen unter Zwang” Ausstellung “Mythos Berlin“
”Blau” in Riga, Museum für Auslandskunst
“Arbeiterdichtung” Laden für Nichts, Berlin
“Hängende Akte” in Zusammenarbeit Voss Fotografie

Video
“groszgen” mit M. Morris, u.a., Regie: W. Gramming, zusätzlich Kostümbild
“Arbeiterdichtung” mit Niels Weberling, Regie: W. Gramming
“D’Utopia” Deutschland ein Wintermärchen” Kleines Fernsehspiel für das ZDF.
“Der Investor und das Mädchen” Video mit W. Schulze, Regie: W. Gramming
u.a. in Zusammenarbeit mit der DFFB, Berlin

Ausstellungsbeteiligung (Auswahl)

  • 1987 GroszGen, Video, Produktion: Mythos Berlin
  • 1989 Arbeiterdichtung, Video, Laden für Nichts, Berlin
  • 1989 Blau, Performance, Museum für Auslandskunst Riga
  • 1990 D’Utopia, ein Wintermärchen, Kl. Fernsehspiel des ZDF, Drehort Kanada
  • 1992 futur 2, red room,  Interferenzen, Berliner Künstler in Riga und St. Petersburg
  • 1998 „parlare da dio“ 1. Marler Videoinstallationspreis mit Präsentationen, in Zusammenarbeit mit W. Gramming
  • 2002 Feenwald, Landart auf der Landesgartenschau Eberswalde 2002,
    Gärten und Industrie, Ausstellung im Blechenhaus auf der Landesgartenschau Eberswalde 2002
  • Für verschiedene Theater, -und Videoproduktionen Ausstattung und Kostümbild

Projekte (Auswahl)

  • 1995-1997 Nabu- Informationszentrum Blumberger Mühle, Aufbau, Ausstattung,  Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen
  • 1998-2000 Natur Therme Templin, Gestaltungskonzept, im Besonderen Farbgestaltung und Inneneinrichtung, Logo
  • 2000-2002 Landesgartenschau Eberswalde 2002, Grundkonzept, Logo, Konzept/Gestaltung, Kunstprojekte, Ausstellungen, Informations- und Leitsystem, Internetauftritt: Konzept, Layout, Text und Bildauswahl
  • 2002-2003 Sportzentrum Westend, Eberswalde, Gestaltungskonzept, im Besonderen Farbgestaltung und Inneneinrichtung, Kunst am Bau, Leitsystem
  • 2004-2006 Landesgartenschau Rathenau 2006, Grundkonzept, Entwurfsplanung, alle Kunstinstallationen (zum Teil in Zusammenarbeit mit W. Gramming), Informations- und Leitsystem
  • 2006-2010 Landesgartenschau Oranienburg 2009, Grund- und Gestaltungskonzept, narrative Leitidee, alle Kunstinstallationen
    Landschaftsarchitektur: Vorentwurf Gartenzimmer, Künstlerische Leitung, Nachnutzungskonzept
  • 2012 Ergänzungskonzept für die Landesgartenschau Prenzlau, Kunstinstallationen
  • 2010-2013 Kinderbuchprojekt „Biotologe Yann reist um die Welt“
  • 2012-2013 Kunstinstallation „Mohnfelder“, verschiedene Kunstobjekte, grafische Dekorationen, Kräuterausstellung, Konzept und Ausführung für die Landesgartenschau Prenzlau 2013
  • 2015 „Schaufenster Brandenburg“ künstlerische Imagekampagne für den VFL auf der BuGa Havelland 2015, Standort Rathenow (Wanderausstellung).

Preise, Stipendien, Lehraufträge

  • 1985-1987 Dozentin für Pantomime „Die Etage“, Berlin
  • 1990 Stipendium Banff Center for the fine Arts. Banff, Alberta/Canada,
  • 1992-1995 Leiterin Abteilung Tanz, Kunstinstitut Baja, Templin
  • 2006 1. Preis brandenburgischer Ingenieurpreis für die Umgestaltung der Schwedendamminsel Laga Rathenow